Dinge passieren
Saronischer-/Argolischer Golf - Juni 2026

Das Sonnensegel ist über den Baum gelegt und nach allen Seiten fest verzurrt. Es schützt mich vor der Sonne, ermöglicht mir einen gemütlichen Aufenthalt an Deck, im Wind. Heiss ist es geworden, dennoch sind die Temperaturen längst nicht so unerträglich hoch, wie zur Zeit in Deutschland. Dort ist ein Ende in der kommenden Woche in Sicht, was insbesondere unserer schwangeren Ines guttun wird.
Sie war noch mit von der Partie, als das diesjährige „Kindersegeln“ auf die Zeit geplant war, dass gleich zwei Jubilare gefeiert werden konnten.
Papa Wolle wird 60, der große Sohn Louis 30. Wolle hatte, die als Überraschung geplante Begegnung auf hoher See, zwar vorher spitz gekriegt, sich dennoch sehr gefreut und auch die gemeinsamen Segeltage danach genossen. Die Kinder, nebst Partnern, schipperten wieder auf einem Sunsail Boot. Mit seiner Crew feierte Skipper Louis seinen Geburtstag in Athen. Wolle und ich verabschiedeten sich schon vorher.
Freund Dennis aus Frankfurt hatte sich am Tag vor Wolles Geburtstag spontan in den Flieger nach Athen gesetzt, um von da aus, mit einem Mietauto und per Fähre, zum abgemachten Ort der Insel Salamis zu gelangen. Es war alles heimlich mit mir abgesprochen. Das angehende Geburtstagskind hatte nicht im Mindesten Lunte gerochen. Sein Gesichtsausdruck beim Zusammentreffen der beiden Freunde ist mit Worten kaum zu beschreiben. Die wilde, unkontrollierte Verknüpfung von Wolles Gehirnsynapsen war quasi zu hören: KNACK- Den kenn ich. KNACK- Was macht der hier? KNACK- Wie kann das sein? KNACK- Warum? Wegen mir? Was für ein Geschenk! Es blieb nicht aus, dass Wolle seine Augen ein wenig von hinten durchspülen musste. Dennis blieb zwei Nächte bei uns an Bord, bevor er seine Heimreise antrat.
Auf unserem Trip gen Westen, sollten die Schläge kurz sein. Einfach nur gemütlich und entspannt. (Ich glaube diesen Wunsch hatte ich schon des Öfteren geäußert). Da habe ich die Planung wohl ohne Wolle, meinen Perfektionisten, gemacht.
Unsere neuen Batterien entluden sich laut BMS (Batterie-Management-System) ungleich.
Der Hersteller empfahl, nach Anfrage, eine totale Entladung. Dadurch sollte sich das Problem nach einer Wiederaufladung gelöst haben. Gesagt-getan. Leer waren sie schnell und problemlos. Nur dann war Schicht im Schacht. Sie wollten keinen Saft mehr aufnehmen, um weiter am Batterieleben teilzunehmen und uns ein sorgenfreies Leben an Bord ermöglichen. Ich muss die Geschichte hier abkürzen, sonst fülle ich Seiten.
Batterien wurden um- und abgeklemmt, hin und her gewuchtet, krampfhaft, mit Teilerfolgen wiederbelebt. Und dann kann es passieren, es kann jedem passieren. Erst recht wenn die Situation angespannt ist. Blöd gelaufen! Darf nicht passieren. Tat es aber. Warum nur? Haben wir das verdient? Scheint so. Nur zwei kleine Handgriffe. Der Funke war deutlich, der Adrenalinkick heftig. Wolle hatte den Plus- mit dem Minuspol verwechselt. Sicherungen knallten durch und die Bordelektronik verabschiedete sich, irreparable.
Im Hafen von Porto Heli hofften wir auf externe Hilfe. Das funktionierte nicht nach unseren Vorstellungen. Aber nun kam mein Wolle ins Spiel. Sein Ehrgeiz war nicht nur geweckt, er war regelrecht entbrannt. Wäre doch gelacht, könnte er sich in diese hochelektrische Problematik nicht hineinfuchsen, sie begreifen und letztlich bezwingen.
Das brauchte seine Zeit. Letztendlich hatte er es geschafft alle Sicherungen zu erneuern, einen Wust von Kabeln zu sortieren und miteinander zu verknüpfen, dass jetzt so gut wie alles, was Strom braucht, wieder funktioniert. Der Kabelstrang baumelt momentan aus der Verkleidung heraus. Eine Schalttafel ist bestellt. Sie wird nach unserer Sommerpause eingebaut. Von wem? Diese Frage stellt sich doch wohl nicht.
P.S.: Rein Zufällig ankerten wir zum dritten Mal neben Annett und Ronald aus dem schönen Elend (liegt im Harz), obwohl es unzählige Buchten gibt und ebensoviele Boote. ………Dinge passieren.
